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Titel: Contact (Auszug)
Autor:
Quelle: Heaven Sent Mai - Juli 1992

 

 

Heaven Sent, Mai - Juli 1992; p. 32-45

 

"Contact"

(Auszug)


Die Art, wie man sich Anfang der neunziger an die siebziger erinnert, sagt etwas über die achtziger Jahre. Diese schwerwiegende Feststellung hält mehr, als sie verspricht: nämlich dann, nenn sie für die Untersuchungen eines amerikanischen Künstlers von Bedeutung ist, der seit Jahren in Deutschland lebt. Fareed Armaly hat sich mit einer Periode deutschsprachiger Kulturproduktion beschäftigt, deren Nach-Achtundsechziger-Herkunft Ausläufer bis in die Gegenwart hat. "Wünsch Dir Was", die kritische Familien-Unterhaltungsshow und Fassbinders Fernseh-Familienserie "Acht Stunden sind kein Tag" Stellen Produktionen dar. die sich gewissermaßen "synthetisch" dem Begriff der Familie als gesellschaftliche Größe näherten. Namen wie Gottfried John und Vivi Bach tauchen hier auf, Dietmar Schönherr und Michael Pfleghar. Namen, die erschauern lassen oder/und angenehm nostalgische Bilder wachrufen. In den kürzlich geführten Interviews mit Produzenten und Machern dieser Zeit tritt jenes "kollektive Bewußtsein" zu Tage, das die Massen-Medien zur reformerischen Veränderung der Gesellschaft einsetzen wollte.

Gesellschaftliche Prozesse sollen auch in Gerichtszeichnungen für das Fernsehen dokumentiert werden. Wie ein Fenster soll die bildnerische ".Nachricht" sein, vom Gerichtssaal direkt ins Wohnzimmer. Die Gerichts-Künstlerin ConyTheis hat als "Geschichtenerzählerin" die Aufgabe, die Akteure für die Übertragung zu porträtieren. Die Familie vor dem Fernseher soll sich in den Abgebildeten potentiell wiedererkennen. Es macht also Sinn, diese Art der Berichterstattung in Zusammenhang mit den in den Siebzigern virulenten Fragen der Familie, der Medien und der "Veränderung'' zu sehen: Terroristen-Prozesse. Gladbecker Geißeldrama - Fragen der Beziehung zwischen "Individuum", "der Gemeinschaft" und "dem Staat".

Fareed Armalys Ausstellung in der Kölner Galerie Nagel fand vom 11. Februar bis 14. März 1992 stall. Die begleitende Publikation - der auch das Material dieser Familyaffair entnommen ist - gibt Aufschluß über einen Aspekt der Arbeit, der hier unberücksichtigt bleiben muß und nur durch das Vogel-Symbol repräsentiert ist: die Architektur, in der die Austeilung stattfindet und die Bäume in denen die behandelten Siebziger-Diskurse "sichtbar" werden.